Der Merker

Dienstag, 21. November 2017

Manifest

Zum Geleit.

Willkommen auf der Website »Der Merker«.

»Der Merker« im Jahr 2017: Aufbruch zu den Wurzeln. (108 Jahre nach der Gründung jener längst versunkenen »österreichischen Zeitschrift für Musik und Theater« desselben Namens.)

»Der Merker« im Jahr 2017: — das Ansinnen, 61 Jahre nach der Gründung einer ebenfalls den Zeitläuften anheim gefallenen »Zeitschrift für Opernfreunde« durch Konzentration auf das ursprünglich Intendierte der ungebrochenen Begeisterung für das Musiktheater eine dem 21. Jahrhundert gemäße Form zu bieten.

»Das ursprünglich Intendierte«: die kritische Berichterstattung von Opern- und Theater­vorstellungen im Wiener Raum und bei österreichischen Festspielen. Wo wir Gutes finden, wollen wir loben, wo wir Fehl­ent­wicklungen zu erkennen glauben, mahnend unsere Stimme erheben: im Feuilleton und, falls gewünscht, im Diskurs mit den Verantwortlichen und unserer Leserschaft.

Kritik: Das Gesehene und Gehörte beschreiben, es analysieren und dem Ganzen eine Sprache zu verleihen.

Nikolaus Bachler (2016)

Der hohe Anspruch des »Merker«: Kritik — im besten, im Bachlerschen Sinn — nicht nur als Bericht­erstattung, sondern auch als literarische Gattung zu verstehen, deren Relevanz auch über Jahre hinweg nicht schwindet.

Jede menschliche künstlerische Äußerung birgt die Gefahr des Scheiterns. Im Falle des Gelingens jedoch beschert sie uns nie gekannte Augenblicke der Schönheit und des Glücks. Davon in fundierter Form zu berichten, ist unser Ziel. Wir sind guten Mutes, es zu erreichen.

Werden wir scheitern? Hin und wieder — aber immer in der Zuversicht, es das nächste Mal auf höherem Niveau zu tun. Aufmerksame Leser werden es uns, daran hegen wir keinen Zweifel, mitzuteilen zu wissen.

Kritik… Da ist es, das »böse« Wort. Obschon ursprünglich neutral, wird es heute zumeist in negativem Kontext gebraucht. Allein, man muß sich vor ihm auch nicht fürchten.

Also denn: Kritik, dies intrinsisch ihr eingeschrieben, wird immer vergleichend sein (müssen): Entweder relativ in bezug auf frühere Erfahrungen und prägende Erlebnisse oder absolut mit der Partitur als letztgültigem Maßstab. Andere Zugänge: Uns Sterblichen sind sie verwehrt.

Wollt Ihr nach Regeln messen, was nicht nach Eurer Regeln Lauf, der eig’nen Spur vergessen, sucht davon erst die Regeln auf!

Richard Wagner: »Die Meistersinger von Nürnberg« (1. Akt)

»Wollt Ihr nach Regeln messen, was nicht nach Eurer Regeln Lauf, der eig’nen Spur vergessen, sucht davon erst die Regeln auf!« Berechtigter Einwand, dies, nicht nur Hans Sachsens. Also denn: nicht Rückschau auf eine glorreiche Vergangenheit (welche doch bei näherer Betrachtung so glanzvoll nie war) sei unser Ziel. … Aber — auch diese Überlegung sei nicht verschwiegen —: Ob denn nicht das meiste, welches uns heute vorgestellt wird, bestenfalls »modisch« zu nennen wäre, kaum jedoch »modern«? Maskiert sich nicht landauf, landab Unvermögen als »progressiv«, um abzulenken vom eigentlichen Gegenstand? Dies zu beobachten und zu scheiden, scheint uns Teil der Aufgabe.

Des »Merker« Anspruch daher: Abkehr von den holzschnittartigen, marktschreierischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen, welche weite Teile des Feuilletons beherrschen. Anstelle dessen: Stärkung des Sensoriums für die Zwischentöne, Würdigung der unendlich vielen Graustufen, welche doch künstlerische Leistungen am zutreffendsten zu beschreiben scheinen.

»Man muß zuerst über ein Holzbank’l gehen können, ehe man über einen Baumstamm balanciert.«, stellte der österreichische Autor Julian Schutting einmal fest. Dies als Mahnung in unser Poesie-Album, nicht sofort die Welt erobern zu wollen. Und als Erklärung für die Konzentration der Berichterstattung auf die Wiener Staatsoper als der Welt größtes Repertoire-Haus, die anderen Wiener Bühnen und das österreichische Umland. Daß wir dennoch für unseren selbstgestellten Ansprüchen Genügendes aus dem Ausland offen sind, versteht sich von selbst.

Im aus der Monatszeitschrift »Der neue Merker« hervorgegangenen (und von dieser unabhängigen) »Online-Merker« erblicken wir ein Partner-Medium. Wer Informationen über aktuelle kulturelle Veranstaltungen sucht oder Anton Cupaks an den gesunden Hausverstand appellierenden Tageskommentar lesen will, wird dem »Online-Merker« die Treue halten. Wer vornehmlich an (Musik-)Theater-Rezensionen und Kommen­taren interessiert ist, wird, dies unser Ziel, zum regelmäßigen Besucher dieser Website werden.

Wir sind zuversichtlich: Mit der Unterstützung unseres p.t. Publikums wird die Übung gelingen.

94 ms